WBS in Berlin: So beantragst du ihn und findest eine Wohnung mit WBS
Der Wohnberechtigungsschein (WBS) ist die Eintrittskarte für geförderte Sozialwohnungen. Du bekommst ihn, wenn dein Haushaltseinkommen unter bestimmten Grenzen liegt — in Berlin gibt es dafür fünf Stufen, von WBS 100 bis WBS 220. Der Antrag beim Wohnungsamt ist kostenlos, und der WBS gilt in der Regel ein Jahr.
Wichtig vorweg: Ein WBS ist keine Wohnung. Er gibt dir das Recht, eine geförderte Wohnung zu mieten — finden musst du sie trotzdem selbst. Dieser Ratgeber zeigt dir beides: wie du an den Schein kommst und wo die passenden Angebote stehen. Die verbindlichen Details findest du jeweils auf den verlinkten Seiten des Landes Berlin.
Mit dem WBS wächst die Auswahl: Bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen sollen 63 Prozent der frei werdenden Wohnungen an Haushalte mit WBS gehen.
Die Einkommensgrenzen: WBS 100 bis WBS 220
Die Zahl hinter „WBS“ gibt an, wie viel Prozent der Bundes-Einkommensgrenze dein Einkommen erreichen darf. WBS 100 entspricht genau der Grenze aus § 9 Abs. 2 Wohnraumförderungsgesetz, WBS 140 liegt 40 Prozent darüber, WBS 220 entsprechend 120 Prozent.
Die Grenzen gelten für dein anrechenbares Jahreseinkommen — nicht für dein Bruttogehalt:
| Stufe | 1 Person | 2 Personen | je weitere Person | je Kind zusätzlich |
|---|---|---|---|---|
| WBS 100 | 12.000 € | 18.000 € | 4.100 € | 500 € |
| WBS 140 | 16.800 € | 25.200 € | 5.740 € | 700 € |
| WBS 160 | 19.200 € | 28.800 € | 6.560 € | 800 € |
| WBS 180 | 21.600 € | 32.400 € | 7.380 € | 900 € |
| WBS 220 | 26.400 € | 39.600 € | 9.020 € | 1.100 € |
Quellen: § 9 Abs. 2 WoFG (WBS 100) und Berliner Mietratgeber der Senatsverwaltung (WBS 140 bis 220). Kinder zählen als weitere Person und bringen den Kinder-Zuschlag obendrauf.
Vom Brutto zum anrechenbaren Einkommen
Ausgangspunkt ist das Bruttoeinkommen, das dein Haushalt in den nächsten zwölf Monaten voraussichtlich hat. Davon wird einiges abgezogen:
- Laut Mietratgeber 1.200 Euro Werbungskostenpauschale, wenn du angestellt bist.
- Je bis zu 10 Prozent für Steuern, Krankenversicherung und Rentenversicherung — zusammen höchstens 30 Prozent, jeweils nur, wenn du diese Abgaben auch zahlst.
- Weitere Freibeträge, zum Beispiel 600 Euro je Kind unter zwölf für berufstätige Alleinerziehende, 4.000 Euro für junge Paare in den ersten fünf Jahren nach der Heirat (beide unter 40) und Beträge bei Schwerbehinderung. Gesetzlicher Unterhalt kann ebenfalls abgezogen werden.
- Kindergeld zählt gar nicht als Einkommen.
Die vollständige Liste steht im Mietratgeber. Dort heißt es auch ausdrücklich: Die endgültige Berechnung macht das Wohnungsamt.
Schnell prüfen, ob du berechtigt bist
Der Rechner des Senats wird laut berlin.de gerade überarbeitet und ist aktuell nicht verfügbar (Stand: Oktober 2026). Die Seite verweist stattdessen auf die WBS-Checks von Gewobag und degewo. Beide geben dir eine erste Einschätzung, welche Stufe für dich infrage kommt — die Gewobag bezeichnet ihr Ergebnis selbst als „unverbindliche Prognose“. Verbindlich ist nur der Bescheid vom Amt.
Welcher WBS für welche Wohnung?
Nicht jede WBS-Wohnung steht jeder WBS-Stufe offen. Laut Mietratgeber gilt grob:
- WBS 100 und WBS 140: reichen für die meisten Sozialwohnungen in Berlin.
- WBS 160: für einen Teil der neueren Wohnungen, die mit einkommensorientierten Zuschüssen gefördert wurden.
- WBS 180 und WBS 220: für einen Teil der neu gebauten oder geplanten geförderten Wohnungen.
Welche Stufe du hast, steht auf deinem Bescheid. Nennt ein Inserat eine bestimmte WBS-Stufe und bist du unsicher, ob dein Schein dafür passt, frag beim Vermieter nach, bevor du dich bewirbst.
Den WBS beantragen: Schritt für Schritt
1. Prüfen, ob du antragsberechtigt bist
Laut service.berlin.de musst du mindestens 18 Jahre alt sein und dich nicht nur vorübergehend (mindestens elf Monate) in Berlin aufhalten. Als Deutsche:r oder EU-Bürger:in bist du berechtigt; mit anderer Staatsangehörigkeit brauchst du eine Aufenthaltserlaubnis, die noch mindestens ein Jahr gilt.
2. Zuständiges Amt finden
Zuständig ist das Wohnungsamt des Bezirks, in dem du wohnst. Ziehst du von außerhalb nach Berlin, kannst du ein Berliner Wohnungsamt deiner Wahl nehmen. Der erteilte WBS gilt dann für ganz Berlin. Den Antrag kannst du online stellen — mit Upload aller Nachweise als PDF oder JPG.
3. Formulare und Unterlagen zusammenstellen
- Antrag (Formular BauWohn 502), online oder auf Papier — der Papierantrag muss von allen Volljährigen unterschrieben werden
- Einkommenserklärung (BauWohn 504) für jede Person im Haushalt
- Einkommensbescheinigung (BauWohn 504a), die dein Arbeitgeber ausfüllt
- Erklärung über die persönlichen Verhältnisse und die derzeitigen Wohnverhältnisse (BauWohn 502a), also zu deiner aktuellen Wohnsituation
- Ausweiskopien aller Personen im Antrag
- je nach Situation: Geburtsurkunden der Kinder, Mutterpass ab der 14. Schwangerschaftswoche, Schwerbehindertenausweis, Semesterbescheinigung, Aufenthaltstitel oder eine Partnerschaftserklärung (BauWohn 550) bei unverheirateten Paaren
Alle Formulare stehen auf der Seite von service.berlin.de zum Download.
4. Kosten, Gültigkeit und Bearbeitungszeit
Der Antrag ist kostenlos, der WBS gilt in der Regel ein Jahr. Eine offizielle Angabe zur Bearbeitungszeit gibt es nicht. Die GESOBAU schreibt, die Bearbeitung durch das Bezirksamt könne „bis zu drei Monate“ dauern. Plane also mit Vorlauf.
5. Wie groß deine Wohnung sein darf
Der WBS legt auch fest, wie viele Zimmer dir zustehen: grundsätzlich ein Wohnraum pro Person. Ein Paar mit drei Kindern kommt also auf höchstens fünf Wohnräume. Alleinstehende dürfen seit dem 1. Mai 2018 auch eine Eineinhalb- oder Zweizimmerwohnung mit bis zu 50 Quadratmetern beziehen. Mehr Platz ist im Einzelfall möglich, etwa bei Behinderung oder besonderen gesundheitlichen oder beruflichen Gründen. (Mietratgeber)
WBS mit besonderem Wohnbedarf
Ein Teil der Sozialwohnungen darf nur an Haushalte mit einem WBS mit besonderem Wohnbedarf vermietet werden. Voraussetzung ist, dass du seit mindestens einem Jahr in Berlin gemeldet bist und eine dieser Situationen vorliegt (service.berlin.de):
- Deine Wohnung ist für deinen Haushalt mit Kindern zu klein.
- Du hast einen Grad der Behinderung von mindestens 50, und deine Wohnung ist dafür ungeeignet.
- Du lebst in einer Notunterkunft, etwa einem Frauenhaus.
- Du bist über 65 und gibst eine Wohnung mit mehr Zimmern als Haushaltsmitgliedern auf.
- Du musst deine Wohnung unverschuldet räumen.
- Du beziehst Leistungen nach SGB II oder SGB XII und wurdest aufgefordert, in eine angemessene Wohnung umzuziehen.
Wo du Wohnungen mit WBS findest
Ein wichtiger Anlaufpunkt sind die landeseigenen Wohnungsunternehmen. Laut ihrer Kooperationsvereinbarung mit dem Senat (2024 bis 2027) gehen 63 Prozent ihrer Wiedervermietungen an WBS-Haushalte — je zur Hälfte an Haushalte bis 140 Prozent und an solche über 140 bis 220 Prozent der Einkommensgrenze. Ein Viertel davon ist für besondere Bedarfsgruppen reserviert. 2024 lag der Anteil laut Senatsverwaltung bei 66,1 Prozent von 12.398 Wiedervermietungen.
Hier stehen die Angebote:
- inberlinwohnen.de: das gemeinsame Portal der Landeseigenen. Im Wohnungsfinder kannst du unter „Wohnberechtigungsschein“ direkt „WBS erforderlich“ auswählen (so funktioniert das Portal).
- degewo: Die Immobiliensuche lässt sich nach WBS filtern.
- GESOBAU: WBS-Wohnungen tragen ein Label; einen Filter gibt es nur für „WBS nicht erforderlich“.
- Gewobag: vermietet über ihre eigenen Mietangebote, inberlinwohnen und ImmoScout24. Achte dort im Inserat auf den WBS-Hinweis.
Wie die sieben Landeseigenen im Einzelnen vergeben und was sie an Unterlagen verlangen, steht im Ratgeber Landeseigene Wohnungen in Berlin.
Tipps, damit es mit der WBS-Wohnung klappt
- Erst beantragen, dann suchen. Ohne gültigen WBS kannst du eine WBS-Wohnung nicht anmieten, und bis der Bescheid da ist, vergehen womöglich Wochen. Stell den Antrag, sobald du weißt, dass du suchen wirst.
- Gültigkeit im Blick behalten. Der WBS muss laut GESOBAU bei Beginn des Mietvertrags noch gültig sein. Läuft er bald ab, beantrage rechtzeitig einen neuen.
- Unterlagen digital bereithalten. Neben dem WBS fragen die Vermieter meist nach Gehaltsnachweisen, Mietschuldenfreiheitsbescheinigung und Ausweis. Was genau dazugehört, steht in der Checkliste für die Wohnungssuche.
- Vorsicht bei Betrug. Den WBS gibt es kostenlos beim Amt, und echte Angebote der Landeseigenen stehen auf ihren Websites, auf inberlinwohnen und bei seriösen Portalen. Wer Geld für eine Besichtigung, eine Zusage oder Hilfe beim WBS verlangt, ist kein seriöser Vermieter.
Neue WBS-Wohnungen nicht verpassen
WBS-Wohnungen sind über viele Seiten verstreut: inberlinwohnen, die sieben landeseigenen Gesellschaften, ImmoScout24 und weitere Portale. Statt alle selbst abzuklappern, lässt du den Immobilien Bot suchen: Er prüft inberlinwohnen, die Websites der sieben Landeseigenen und die großen Portale rund um die Uhr und meldet sich per Push, sobald ein Angebot zu deinen Suchkriterien online geht. Stellst du den WBS-Filter auf „Nur WBS“, bekommst du ausschließlich Wohnungen mit WBS-Pflicht — welche Stufe verlangt wird, liest du im Inserat nach.
Für die Bewerbung hinterlegst du einmal dein Anschreiben mit Platzhaltern. Tippst du ein Angebot an, füllt die App Adresse, Größe und Zimmerzahl selbst aus und kopiert den fertigen Text in die Zwischenablage — einfügen, abschicken, fertig.